Senf

Ice Bucket Challenge

Wenn ein Phänomen vom Internet in der lokalen Tageszeitung landet, dann kann man sich eigentlich sicher sein, dass nahezu jeder schon mal von der Ice Bucket Challenge gehört hat. Gerade bei Facebook und Youtube kommt man eigentlich nicht umher, dass sich Menschen mit Eiswasser-Eimern auf dem Bildschirm tummeln. Auch ich habe meine Putzeimer mit Wasser gefüllt und das Ergebnis bei YouTube hochgeladen. Warum eigentlich?

Hintergrund
Die Ice Bucket Challenge ist ein virales Phänomen, d.h. sie verbreitet sich dadurch, dass Menschen in den sozialen Netzen darüber schreiben, bzw. die Challenge durchführen. Es scheint nicht DEN einen Ursprung der Challenge zu geben. Sowohl ein Profi-Golfer als auch ein ehemaliger College-Basebal-Spieler sollen am 15 July unabhängig voneinander mit der Ice Bucket Challenge begonnen haben. Chris Kennedy, der Golfer, gab die Challenge an seine Cousine weiter, deren Ehemann seit 11 Jahren an ALS erkrankt war. Ihr Film der Challenge landete auf Youtube. Peter Frates, der Baseballspieler, ist selbst seit zwei Jahren erkrankt und konnte die Challenge unter Mithilfe der Boston Red Sox durchführen. Dies veröffentlichte er bei Twitter und nominiert neben US Sportlern auch Barack Obama.

ALS?
ALS ist eine Nervenkrankheit und steht für Amyotrophe Lateralsklerose. Dabei werden die Nerven, die für die Muskelsteuerungen zuständig sind geschädigt, was dazu führt, dass die Muskulatur geschwächt, abgebaut und im schlimmsten Fall gelähmt wird. Dies führt natürlich zu erheblichen Einschränkungen, was die Bewegungsfreiheit angeht, aber Sprechen und Schlucken werden massiv behindert. Stephen Hawking dürfte einer der bekanntesten Erkrankten sein, etwas 5.000 Menschen erkranken jedes Jahr weltweit an ALS, theoretisch kann es jeden treffen.

Und was hat Eiswasser damit zu tun?
Aber was genau ist diese Ice Bucket Challenge? Letztlich ist daraus eine neue Form des Spendenaufrufes entstanden. Wer für die Challenge nominiert wurde, kann die Challenge annehmen. Anschließend wird ein Eimer Wasser mit Eiswürfeln gefüllt und über dem Kopf entleert. Anschließend können Freunde für die Challenge nominiert werden, die wiederum 24 Stunden Zeit haben, auf die Nominierung zu reagieren. Es steht einem frei, stattdessen einen beliebigen Betrag ans die ALS Association zu spenden, nur die Challenge zu machen oder sowohl zu spenden als auch sich mit Eiswasser zu begießen. Andere Varianten besagen, dass entweder 10 EUR gespendet werden müssen, wenn man die Challenge annimmt oder 100 EUR wenn man die Challenge ablehnt.

So oder so ist das Ergebnis beeindruckend. Die ALS Association berichtet von 100 Mio Dollar zusätzlichen Spendengeldern (im Vergleich zu 2,8 Mio Dollar im Sommer 2013), ihr britisches Pendant Motor Neurone Disease Association immerhin von 6 Mio britischen Pfund zusätzlichen Spenden. In Deutschland vermeldet die ALS-Ambulanz der Charité in Berlin 680.000 EUR an Spenden.

Warum habe ich mitgemacht?
Ich wurde von meiner guten Freundin Marianne Weiß nominiert und habe mitgemacht. Wie ich im Video schon erwähne, hat mich diese Form des Spendenaufrufs einfach angesprochen. Ich konnte etwas für eine gute Sache machen und hatte dabei auch noch Spaß, nämlich Spaß dieses Video zu machen, den Spaß Eiswasser über meinen Kopf zu schütten und den Spaß die Reaktionen im Netz zu verfolgen. Mit Geldspenden habe ich ja bekanntermaßen kein Problem. Ich fühlte mich auch durch die öffentliche Nominierung nicht sonderlich unter Druck gesetzt, jetzt unbedingt spenden zu müssen. Hätte ich für mich einen Grund gefunden, an dieser Aktion nicht teilnehmen zu wollen, hätte ich dem genauso absagen können, wie ich auch Spendensammlern in der Fußgängerzone einen Laufpass geben kann oder wie ich auch nicht bei jedem Plakat einer Hilfsorganisation sofort den Geldbeutel zücken muss.

Es gibt aber durchaus berechtigte Kritik an der Ice Bucket Challenge. Natürlich nerven solche Hypes irgendwann. Wenn der Besuch bei Facebook nahezu nur noch aus Videos der Challenge besteht, dann macht es keinen Spaß mehr. Daneben verwischt der Spendengedanke immer mehr. Ich habe zwar selbst noch keine Video gesehen, wo nicht auch gespendet und auf ALS hingewiesen wurde, aber es ist durchaus vorstellbar, dass so etwas passiert. Ein Indiz dafür könnte z.B. sein, dass andere ALS Organisationen deutlich weniger Spenden registrierten als die ALS Association.

Aber auch an der ALS Assoziation wird Kritik geübt. So scheint die von der ALS geförderte Forschung auch auf Tierversuche zurück zu greifen, die nach Aussagen von Ärzte gegen Tierversuche überhaupt nicht notwendig und zielführend sind. Ebenso ist aus den Steuerberichten zu sehen, dass die ALS Association den Großteil ihrer Gelder in Verwaltung und Gehälter und nicht in die Forschung investiert.

Ebenfalls gibt es ob der immensen Spendenmenge Stimmen, dass es auch noch andere Zwecke gibt, die eine Spende verdient hätten. Dies finde ich eine gefährliche Kritik, das es dazu verleiten kann, dass man Leid gegeneinander aufwiegt. Ich mag mir kein Urteil darüber bilden, ob z.B. die Menschen in Syrien oder im Irak mehr oder weniger leiden als ein ALS Patient. Aber ich sehe auch kein Problem darin, wenn eine Spende an eine völlig andere Organisation als an eine ALS-Organisation geht. Es ist großartig, dass die von mir nominierte Ditta an Wasser Wirkt gespendet hat und dass Conny an das Bielefelder Tierheim Geld überwiesen hat. Ganz besondre gut hat mir Hendryk gefallen, der nun für jede Wuppertaler Critical Mass 2014 einen Bienenstich-Verkauf zur Spendengenerierung organisiert.

Meine Spende
Ich habe 25 EUR an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. gespendet, die sich mittlerweile für insgesamt 700.000 EUR Spenden bedankt haben. Die Wahl auf die DGM fiel aber ausschließlich aus Bequemlichkeit, weil bereits Marianne dorthin gespendet hatte. Auch die DGM unterstützt Forschungen mit Tierversuchen, da dies ohne Alternative sei. Ich bin in dem Bereich nun völlig unwissend und es wäre aktuell eine Bauchentscheidung, ob ich der Aussage der DGM oder von Ärzten gegen Tierversuche Glauben schenke. DGM hat auf der Webseite die Richtlinien, die für ihre Forschungen gelten veröffentlicht, die aber zugegebenermaßen sehr vage formuliert sind. Als Alternative kann man aber bei der Spende vermerken, dass diese nur zum Zweck von „Sozialberatung und Hilfsmittelberatung“ eingesetzt werden darf.

Eine gute Sache
Generell empfinde ich die Ice Bucket Challenge als eine tolle Geschichte. Große Spendenaktionen habe ich bisher immer dann mitbekommen, wenn irgendwo eine schreckliche Katastrophe sich ereignet hatte. Daher gefällt es mir, dass so eine Spendenwelle auch ganz ohne auskommen kann. Mich hat es deutlich mehr angesprochen als die bekannten Plakate, Infostände und Spendenaufrufe per Post oder Zeitungsbeilage. Natürlich kann die Masse an Challenge-Videos nerven, aber ich lasse mich dann lieber davon nerven als von Memes wie der Bier Challenge oder dem Harlem Shake.

Am Besten gefällt mir aber, dass die Ice Bucket Challenge einen dazu bringt, zu einem Thema Stellung zu beziehen und dies in einem mehr oder weniger öffentlichem Kreis bekannt zu machen. Das ist eine Sache, die wir viel häufiger machen sollten. Ich nehme für mich auch als Erfahrung mit, dass ich mir vor einer Spende an eine mir unbekannte Organisation mehr Gedanken machen sollte, ob ich mein Geld dort hin überweise und weniger aus Impuls zu spenden.

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