Nachhaltig

Unter wenig Strom

Die EEG Umlage wird erhöht, der Strom wird deshalb um ca. 1ct pro kWh teurer. Und der neue Koalitionsvertrag wird wohl die Energiewende deutlich ausbremsen. Aber keine Sorge, das wird vorerst kein politischer Artikel, auch wenn sich darüber viel schreiben ließe (z.B. dass wir Verbraucher auch 4 Milliarden Subventionen für Unternehmen ausgleichen müssen oder dass Atomkraft immer noch viel stärker subventioniert wird als Erneuerbare Energien). Ich möchte an dieser Stelle gerne festhalten, wie ich es in meinem Haushalt geschafft habe, meinen Stromverbrauch und meine Stromkosten zu senken. Die EEG-Umlage und die Energiewende kann ich die nächsten Jahre nämlich nur sehr eingeschränkt mitgestalten. In meinen vier Wänden habe ich aber vollen Einfluß auf alles was mit Strom zu tun hat.

Als ich in meine erste Wohnung zog (63qm, Baujahr 2001) wurde ich ganz von selbst Kunde der Stadtwerke Bielefeld und hatte in meinem ersten Jahr einen Verbrauch von etwa 1.900 kWh – ohne dass ich großartig darauf geachtet habe, was, wo, wie Strom verbraucht. Mit der zunehmenden Ökologisierung meines Lebenswandels und der folglichen Einsicht, dass ich keinen Strom mehr aus Kohle- oder gar Atomkraftwerken haben möchte, kam irgendwann auch der Wechsel zu einen reinen Ökostrom-Anbieter. „Rein“ bedeutet in diesem Fall eben ein Anbieter, der ausschließlich Strom aus Sonne, Wind und Wasserkraft gewinnt und eben nicht etwa den Ökostrom Tarif der Stadtwerke Bielefeld, die auch am Atomkraftwerk Grohnde mitverdienen. Dazu sollte es ein selbstständiger Anbieter sein und nicht die Tochterfirma von einem der vier großen Anbieter wie e.on oder RWE. Ich habe mich damals an den Empfehlungen der Webseite atomausstieg-selber-machen.de orientiert und bin so bei naturstrom gelandet. Damit war zumindest das Thema CO2-Ausstoß meines Haushaltes abgehakt. Aber da Strom, der nicht verbraucht wird, noch besser ist als verbrauchter Ökostrom, reichte mir das nicht.

Das Ziel: 1.000 kWh

Im empfehlenswertem Buch Der Klima-Knigge las ich, dass etwa 1.000 kWH pro im Haushalt lebender Person ein guter Richtwert sind, um energieeffizient zu handeln und dennoch nicht auf die Vorzüge „moderner Stromverbraucher“ verzichten zu müssen. Für einem Haushalt mit Computer, Smartphone, Tablet, Fernseher, Videospielkonsolen und Soundsystem ein ehrgeiziges Ziel, aber ohne ein solches sollte man sich auch nicht auf den Weg machen.

Zu allererst habe ich meine aktuelle Verkabelung auseinander gerupft und verbessert. Seitdem habe ich einen Karton von Mehrfachsteckdosen im Keller, denn bisher hatte ich bei einem neuen Gerät einfach immer die nächste Steckdose gesucht und ggf. mit einer Mehrfachsteckdose mir zusätzliche Kapazitäten geschafft. Nun, mit ein bisschen Überlegung welche Verbraucher sowieso häufig gemeinsam genutzt werden (z.B. Fernseher und Soundsystem oder Mac und externe Festplatte) konnte der Kabelsalat erheblich aufgelöst werden – und der Sicherheit dient es auch noch.

Anschließend habe ich mir ein Strommessgerät ausgeliehen, denn ich wollte dem StandBy-Verbrauch auf die Spur kommen. So verbrauchte mein Wasserkocher satte 6W ohne in Gebrauch zu sein, mein Ladegerät für den Pedelec-Akku 3W und das Soundsystem 3W. Online nachgerechnet, wie viele kWh und wieviele Euro dadurch aufgefressen werden, brachte einen zweistelligen Eurobetrag zutage, dafür dass Geräte auf ihren Einsatz warten. In meinem Fall konnte ich durch den geschickten Einsatz von Mehrfachsteckdosen und die Investition in schaltbares Steckdosen meinen StandBy-Verbrauch extrem minimieren. Wenn ich nun das Haus verlasse, ziehen nur noch der Kühlschrank und der Router Strom.

Energetisch einkaufen

Als nächsten Schritt habe ich mich umgesehen, wo ich durch den Austausch von Haushaltstechnik sparen kann. Die Investionen sind hier zwar zunächst höher, aber über den Minderverbrauch und die längere Haltbarkeit rechnet sich die Anschaffung in den allermeisten Fällen später. Auch dies lässt sich vorher ausrechnen.
Ich habe mich vor allem um die Beleuchtung gekümmert. Hier konnte ich insgesamt 15 Leuchtmittel mit 35W auf Energiesparlampen mit 7W reduzieren, der 100W Deckenfluter läuft nun mit 20W und die Schreibtischlampe frisst nun 3W statt 15W. Ich muss zugeben, dass gerade bei den 35W-Lampen sehr viel Idealismus dabei war, diese drin zu lassen, denn die Laufzeit, bis sie ihre volle Helligkeit erreichen ist zwar nicht wirklich lang aber doch bemerkbar. Andererseits ist es gerade morgens auch ganz angenehm, nicht sofort nach dem Aufstehen mit der vollen Lichtstärke konfrontiert zu werden.
Aber hier hat sich mittlerweile auch durch die LED-Technik sehr viel verbessert. Boris hat in seinem Blog dazu detailliert erfasst und bebildert, wie er in seinem Flur die Beleuchtung durch LED-Leuchtmittel ersetzt hat. Auch das immer wieder aufkommende Thema der Farbtemperatur hat er in dem Zusammenhang beschrieben.

Als weiteren Austausch habe ich auf eine FRITZ!Box gewechselt, um so statt drei Geräten (WLAN-Router, Kabelmodem und DECT-Station) nur noch ein Gerät zu haben, was für die Telekommunikation Strom frisst. Diese lässt sich darüber hinaus auch noch in Ihrem Verbrauch konfigurieren, so dass z.B. das WLAN in Zeiten, wo ich normalerweise nicht zuhause bin abschaltet und so Strom spart.

Mein Kühlschrank auszutauschen hat sich zwar bisher finanziell nicht darstellen lassen, aber er läuft seitdem auf der kleinstmöglichen Stufe (1 von 7), weil ich festgestellt habe, dass er auch dann meine Lebensmittel ausreichend kühlt. Laut einer alten Haushaltsregel soll Butter in der Kühlschranktür bei einem korrekt eingestelltem Kühlschrank zwar kühl aber immer noch streichbar sein.

Völlig kostenlos: Nachdenken und handeln

Eine weitere maßgebliche Veränderung zu weniger Stromverbrauch war dann wiederum völlig kostenlos: Verhaltensanpassung. Ich versuche sehr genau darauf zu achten, dass z.B. die Beleuchtung nur dort eingeschaltet ist, wo ich mich gerade aufhalte. So sitze ich aktuell z.B. an meinem Schreibtisch im Wohnzimmer und es leuchtet nur die Schreibtischlampe. Im Wohnzimmer selbst ist alles andere dunkel. Wenn ich später in Bett gehe, werde ich durch den dunklen Flur gehen und im Schlafzimmer nur die Bettlampe einschalten. Das mag eine Einstellungssache zu sein, aber ich brauche abends keine durchgängig hell erleuchtete Wohnung, um mich wohler zu fühlen.
Früher habe ich häufig den Fernseher nebenbei laufen lassen, heute ist es hauptsächlich das iPhone oder iPad mit Online-Radio oder Video-Streaming. Ebenso nützen die ganzen StandBy-Schaltungen nichts, wenn man sie nicht auch nutzt und die entsprechenden Schalter nicht drückt.

Umzug in eine Altbauwohnung

Mit meinem Umzug in meine jetzige Altbau-Wohnung haben sich dann weitere Energiesparpotentiale ergeben. So habe ich zum einen meinen alten Röhren-Fernseher durch einen sparsameren LED-Fernseher getauscht – wobei da ehrlicherweise der Energiespargedanke nicht an erste Stelle stand. Dieser stand aber bei der Auswahl einer neuen Spülmaschine an erster Stelle. Die Kaufentscheidung wurde dabei maßgeblich von der EcoTop10-Liste unterstützt.

Die neue Wohnung hat nun einen Durchlauferhitzer im Bad und ein Untertischgerät in der Küche, die es in meinen Stromsparplan zu integrieren galt. Da ich bekennender Warmduscher bin, blieb mir im Bad nur die Möglichkeit, den Durchlauferhitzer auf den kleinste Stufe zu stellen. Nach Recherche scheinen aber tatsächlich viele Geräte in den höheren Stufen so heißes Wasser zu erzeugen, dass man ohne Beimischung von kaltem Wasser damit eh nicht duschen mag.
Dem Untertischgerät in der Küche habe ich einen Zeitschalter mit Taster verpasst, über welchen ich den Boiler anweisen kann, Wasser zu erhitzen. Andernfalls würde das Gerät ständig heißes Wasser vorrätig halten, auch wenn ich im Urlaub bin. Jetzt muss ich zwar wenige Minuten warten,  bis das heiße Wasser für den Abwasch vorrätig ist, aber wenn sich dies etwas aufschiebt, bin ich ehrlich gesagt nicht all zu ärgerlich darüber.
Darüber hinaus hat die neue Küche fünf Leuchtröhren zur Beleuchtung der Arbeitsfläche. Diese tausche ich nach und nach gegen LED-Pendants aus, was den Stromverbrauch von 21W auf 9W pro Röhre verringert.

Zwischenstand

Mit all diesen Maßnahmen habe ich meinen Stromverbauch von Anfangs 1.900kWh auf zunächst 1.400kWh und dann 1080kWh gesenkt. Nach dem Umzug in die neue Wohnung stiegt dieser dann auf 1250kWh, was ich mal den Durchlauferhitzern und einer zugegeben etwas lascheren Stromspardisziplin ankreide.

Aber das Ziel der 1.000kWh habe ich noch nicht aus den Augen verloren. Vielleicht habt ihr ja auch noch den ein oder anderen Tipp, den ich bisher vergessen oder übersehen habe. Meine Stromrechnung, das Klima und ich würden sich freuen.

2 Kommentare

  1. Einsparpotenzial bei Kühl- und Tiefkühlschränken: Thermostatgeregelte Kühlgeräte sind am effektivsten, wenn sie kaum Luft enthalten. Massives Eis trotzt Wärme auch länger als Schnee. Freie Räume also einfach mit Lebensmitteln, Kühlakkus, Eiswürfelmachern und im Zweifel sogar wassergefüllten Gefrierbeuteln auffüllen, dann hält sich die Temperatur auch ohne aktive Kühlung viel länger. Tiefkühltruhen haben zudem den Vorteil, dass die kalte Luft beim Öffnen nicht wie bei Schränken „herausfällt“ und durch warme, von oben nachströmende Luft ersetzt wird.

    • Dominic Hallau

      Japp, das stimmt. Nicht nur deshalb ist mein Kühlschrank eher zu klein als zu groß und ebenso wie das Kühlfach immer gut gefüllt. Aber hauptsächlich mich Essen 😉

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